DIE INITIATIVE

Historischen Zusammenschluss der Bau- und Immobilienbranche in einer Gesellschaft

Die Gründung der Gesellschaft ist ein echter Meilenstein. Dass es gelungen ist, die Interessen eines so großen Wertschöpfungsbereiches der deutschen Wirtschaft  auf ein gemeinsames Ziel „Zukunft zu gestalten“ zu verpflichten, ist historisch. Dies sehen nicht nur die engagierten Trägerverbände, -kammern und –unternehmen so. Mit dem Staat, insbesondere dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und an dessen erster Stelle Minister Dobrindt, haben wir starke Partner an unserer Seite. Es ist allerdings auch höchste Zeit, dass wir uns in Deutschland mit den Möglichkeiten moderner Techniken wie Building Information Modeling, kurz BIM befassen. In standortgebundenen Industrien haben moderne Informations- und Kommunikationstechniken schon längst Einzug gehalten. Wir stecken mitten drin, im digitalen Zeitalter. Das sollten wir nutzen und auch im Bereich Planen, Bauen und Betreiben lernen, mehr in Wertschöpfungsketten zu denken und unsere Prozesse entlang dieser Ketten zu optimieren. Darin liegt eine große Chance, für alle Beteiligten.

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FAQ

Nachstehend sind die grundsätzlichsten bzw. häufigsten Fragen zusammengetragen und beantwortet.

Was ist BIM?

BIM ist derzeit in Deutschland in aller Munde, dennoch scheint es große Unterschiede im Verständnis zu geben. Building Information Modelling (BIM) ist eine gemeinschaftliche, durch digitale Technologien unterstützte Arbeitsweise, die effiziente Methoden des Planens, Bauens und Betreibens von Bauwerken ermöglicht. BIM verknüpft wichtige Produkt oder Objektdaten in einem digitalen 3D Modell, das zum effektiven Management von Informationen über den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks hinweg dient – von den ganz frühen Konzeptphasen bis hin zum Betrieb. BIM wird oft als ein Weichensteller für einen fundamentalen Kulturwandel im Planen, Bauen und Betreiben angesehen. Global beginnt eine größer werdende Zahl von Ländern die Vorteile und Möglichkeiten durch BIM zu realisieren und in den Ausbau der eigenen Fähigkeiten zu investieren. Der BIM Prozess wird „main-stream“, sowohl im Hochbau wie auch im Infrastrukturbereich. Das gilt übrigens nicht nur für Neubauten. Wir sehen auch große Vorteile für Ertüchtigungsmaßnahmen und Renovierungen, wenn beispielsweise überwiegend digitale Daten aus anderen Quellen, wie Laserscan, Licht- oder Energieanalysen genutzt werden.

Welche Ziele verfolgt BIM und wo sehen Sie das Potenzial?

Während der Planungs- und Realisierungsphase eines Bauprojekts sehen wir deutliche Effizienzsteigerungen durch bessere Koordination der Fachplanungen und schnellere und bessere Analyseverfahren. Visualisierungen in 3D sorgen für ein besseres Verständnis des geplanten Bauwerks und helfen Einsparpotenziale während des Betriebs zu identifizieren sowie Risiken zu reduzieren. Die Verknüpfung von Planungsdaten mit Terminplänen und Kosten hilft besonders Projektmanagern und Steuerungsinstanzen bei der Durchführung des Projekts. Um das volle Potenzial von BIM ausschöpfen zu können, müssen wir aber über die Realisierungsphase eines Bauprojekts hinaus denken. Wir müssen Wege finden die digitale Technologie und die damit gekoppelten Prozesse zu nutzen um mehr Kapazität und Leistungsfähigkeit unserer Bauwerke und unserer Infrastruktur zu erzielen – und das ohne mehr investieren zu müssen und mehr Ressourcen zu verbrauchen. Um das zu erreichen müssen wir die Verfügbarkeit unserer Bauten für die Nutzer maximieren und ihre Leistung mit Hilfe digitaler Daten beobachten, damit wir Probleme frühzeitig erkennen. Die gewonnenen Erkenntnisse über das tatsächliche Verhalten unserer Bauwerke müssen dann wieder in die Planung der nächsten Generation von Bauwerken einfließen. Darüber hinaus sollten wir die Ziele der Wertschöpfungskette Bau mit anderen Strategien und Zielsetzungen in Deutschland verknüpfen, wie etwa der Digitalisierung der industriellen Produktion durch den Maschinenbau. Dadurch können wir noch größere Hebelwirkung im Markt erreichen, denn beide Initiativen, planen-bauen 4.0 und Industrie 4.0, stützen sich gleichermaßen auf Ziele der Nachhaltigkeit, wie Energie- und Ressourceneffizienz sowie Lebens- und Arbeitsqualität.

Birgt die fortschreitende Nutzung digitaler Techniken auch Risiken?

Innovationen bedeuten immer auch Marktveränderungen. Klassische Rollenverteilungen, Geschäftsmodelle und Aufgabenprofile können sich verändern, neue Jobprofile und Qualifikationen sich entwickeln. Wie muss ich mich anpassen um weiter Erfolgreich zu sein? Bei so manchem traditionell arbeitenden Architekturbüro oder Baubetrieb können da durchaus Vorbehalte entstehen. Kann man die technologische Entwicklung und damit verbundenen Aufwand an Hardware, Software, Schulungen und Kenntnissen überhaupt aufnehmen und umsetzen? Auf Planer kommt mehr Aufwand in frühen Leistungsphasen und in der Projektvorbereitung zu, der auch bezahlt sein will. Mancher Bauausführende beklagt gegebenenfalls Überforderung bei der Vertragsprüfung, reduzierte Nachtragsmöglichkeiten. Angemessene Änderungen in der HOAI, die Entwicklung neuer fairer Vertragsmodelle ist deshalb umso wichtiger. Gebraucht werden klare Anforderungen an den Markt, einheitliche, offene Standards, die die Marktteilnehmer nicht überfordern oder übervorteilen. Die notwendige Veränderungen müssen wir schrittweise vornehmen sowie aktiv begleiten und steuern.

Es gibt auch viele kritischen Stimmen zu BIM, was sagen sie dazu?

Die Frage ist doch, wollen wir künftig “partnerschaftlich“ oder wie bisher „partikular” agieren? Wer hier Bedenken hegt, der sollte einmal intensiv darüber nachdenken, ob er wirklich an unseren heutigen Marktkonstellationen in Deutschland weiter festhalten will, die zunehmend von einem Gegeneinander der Beteiligten geprägt sind. Die Profitabilität ist in den letzten Jahrzehnten für alle Baubeteiligten gesunken, Baustreitigkeiten steigen immer weiter an, Planungs- und Baukosten explodieren während Qualitätskriterien wie “Terminsicherheit und Budgeteinhaltung” leiden. So kann es nicht weitergehen. Ich bin deshalb felsenfest überzeugt, dass sich BIM als wesentlicher Baustein zu einer partnerschaftlicheren Alternative auch in Deutschland durchsetzen muss und wird. Darin liegt für uns eine Chance.

Brauchen wir in Deutschland ein Mandat für BIM wie beispielsweise in England?

Gemeint ist die im Mai 2011 veröffentliche Regierungsstrategie Großbritanniens an, BIM ab 2016 auf allen staatlichen Bauprojekten anzuwenden, übrigens auch in der Instandhaltung, nicht nur im Neubau. Um die Frage zu beantworten müssen wir uns fragen, was denn dieses „Mandat“ in England eigentlich bedeutet. Der größte Auftraggeber in England, die öffentliche Hand, hat in 2011 verkündet, nach welchen Regeln und Prozessen sie ab 2016 Bauprojekte vergeben und durchführen wird. Damit hat die Regierung einerseits dem Mark fünf Jahre Zeit gegeben sich auf die Neuerungen vorzubereiten. Andererseits haben die öffentlichen Auftraggeber – für Straße, Bahn, Verteidigung, Umwelt, Erziehung, etc. – die Zeit genutzt sich selber zu schulen und mit neuen Technologien und Methoden vertraut zu machen. Wie Sie vorhin schon selber sagten, in Deutschland, und übrigens auch den anderen europäischen Ländern außer England, gibt es kein einheitliches Verständnis von BIM. Worauf soll sich der Markt einstellen? Die Unsicherheit blockiert momentan den Wandel. In Deutschland ist die Öffentliche Hand ebenso wie die Wertschöpfungskette Bau sehr kleinteilig strukturiert. Wenn Sie unter Mandat klare und einheitliche Anforderungen der Auftraggeber, wie in Zukunft geplant, gebaut und betrieben wird, dann ist die Antwort ja, das brauchen wir. Das wird den entscheidenden Impuls für den Markt geben.

Was sind die konkreten Aufgaben der Plattform und wo setzen Sie die Prioritäten zu Beginn?

Die Gesellschaft wurde am 20.02.2015 gegründet und befindet sich derzeit natürlich noch in einer Aufbauphase. Derzeit werden noch weitere interessierte Organisationen und Unternehmen aufgenommen. Wir bauen Arbeitsstrukturen auf und suchen vor allem auch noch einen Vollzeitgeschäftsführer. Als Interimsgeschäftsführung ist derzeit unser Ziel, Marktpräsenz und Öffentlichkeitswirkung aufzubauen. Im DIN engagieren wir uns bereits, um zunehmende europäische und internationale Normungsaktivitäten zu spiegeln und sind an anderer Stelle bereits bestrebt, bislang partikulare BIM-Aktivitäten zu bündeln und die Vertretung Deutschlands in internationalen Initiativen zu gewährleisten. Von der Gesellschaft wird die Bearbeitung zahlreicher Aufgaben erwartet, beispielsweise die Begleitung von Pilot- und Referenzbauvorhaben, Wissensvermittlung zum Thema Digitalisierung in der Bau- und Immobilienwirtschaft, Mitwirkung bei der Weiterentwicklung von BIM-kompatiblen Vertragsmustern. Geplant ist auch die Entwicklung von Richtlinien zur Sicherstellung der Qualität in der Bereitstellung von Software, Produkten und Dienstleistungen und deren Zertifizierung sowie die Einwerbung, Vergabe und Verwaltung von Fördermitteln und Forschungsgeldern zu Projekten im Bereich digitales Planen, Bauen und Betreiben. Hier freuen wir uns auf spannende Gestaltungsmöglichkeiten in einer zentralen Rolle für die gesamte Wertschöpfungskette.

Was ist der Stufenplan?

Der Stufenplan ist ein Modell, das den Weg zur Anwendung des digitalen Planens, Bauens und Betreibens transparent beschreibt und Auftraggeber und Auftragnehmer auffordert, diesen Weg zu beschreiten. Er enthält ein zeitgebundenes Konzept mit klar definierten Mindestkriterien für ein erstes Leistungsniveau der Methode „Building Information Modelling“. Er definiert ein gemeinsames Verständnis der Methode BIM und legt die Anforderungen fest, die Auftraggeber an digitale Modelle und das gemeinschaftliche Arbeiten mit BIM stellen sollten.

Warum brauchen wir einen Stufenplan?

Der Plan schafft Klarheit und Konsistenz, auf welche zukünftigen Anforderungen sich die Beteiligten der Wertschöpfungskette Planen, Bauen und Betreiben in Zukunft einstellen sollten. Gleichzeitig räumt er allen genügend Zeit für die notwendigen Veränderungen ein, indem er den Zeitplan für die schrittweise Einführung von BIM und die nächsten Schritte festlegt, die zum Erreichen eines Leistungsniveaus 1 unternommen werden müssen.

Wer hat den Stufenplan entwickelt?

Der Stufenplan wurde im Auftrag des BMVI von der „planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“ (planen-bauen 4.0) entwickelt. Die Gesellschaft wurde von den großen Verbänden der Planungs- und Bauwirtschaft gegründet, um die Digitalisierung des Planens und Bauens in Deutschland voranzutreiben. Vertreter aller an Planung und Bau beteiligten Branchen sowie der öffentlichen und privaten Auftraggeber waren an der Erstellung des Stufenplans beteiligt.

An wen richtet sich der Stufenplan?

Adressat des Stufenplans sind in erster Linie die öffentlichen Auftraggeber, die das Leistungsniveau 1 in ihren Projektvergaben einfordern sollten, und die Auftragnehmer, die gefordert sind, sich die dafür notwendigen Kenntnisse anzueignen, sofern diese nicht bereits vorhanden sind. Aber auch andere öffentliche sowie private Auftraggeber können von dem Stufenplan als Grundlage für die Einführung von BIM profitieren.

Wird es wie in anderen Ländern ein Mandat für die Einführung eines ersten Zielniveaus geben?

Ziel des Stufenplans ist zunächst die schrittweise Einführung von BIM im Zuständigkeitsbereich des BMVI. Er gilt damit in erster Linie für den Infrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau, kann aber auch in anderen Bereichen als Modell genutzt werden. Das BMVI als Federführer für die Digitalisierung in der Bundesregierung und größter Bauinvestor des Bundes wird mit gutem Beispiel vorangehen und den Stufenplan umsetzen. Dazu werden ab Mitte 2017 im Rahmen einer erweiterten Pilotphase eine systematisch ansteigende Zahl von Verkehrsinfrastrukturprojekten mit den BIM-Anforderungen des Leistungsniveaus 1 durchgeführt. Nachdem die grundlegenden Voraussetzungen vorliegen, soll ab Ende 2020 BIM mit Leistungsniveau 1 regelmäßig im gesamten Verkehrsinfrastrukturbau bei neu zu planenden Projekten Anwendung finden. Das BMVI wird seine Erfahrungen zu BIM breit streuen, sodass alle Auftraggeber und Auftragnehmer daraus Nutzen ziehen können. Dabei besteht die Hoffnung, dass möglichst viele andere öffentliche Auftraggeber aus Bund, Ländern und Gemeinden und auch private Auftraggeber folgen und davon profitieren werden. So entstehen für die Auftragnehmer – also Planer, Bauausführende und Betreiber – Anreize, die von ihnen verlangten Fähigkeiten zeitnah zu erlernen und anzubieten. Angesichts der fortgeschrittenen internationalen Entwicklung und des Tempos der Digitalisierung ist Auftraggebern und Auftragnehmern dringend zu empfehlen, sich dieser Herausforderung jetzt zu stellen. Wer lange zögert, riskiert den Anschluss zu verlieren.